Als die Kirchhöfe noch Friedhöfe waren


Die Friedhöfe am Rande unserer alten Dörfer wurden vor etwa 150 Jahren eingerichtet. In den Jahrhunderten davor dienten die Kirchhöfe als Totenhöfe, auf denen die Angehörigen ihre Verstorbenen im Schutze der umgebenden Mauern bestatteten. Auf den heutigen Kirchhöfen erinnern nur noch wenige Überreste an die damalige Nutzung als Gottesacker.

Über den größten Kirchhof in unseren Dörfern verfügte Dörnhagen. Auch dort sind die Spuren der Vergangenheit weitgehend verwischt. Nur wenige Grabmale erinnern noch an frühere Zeiten. Eines davon ist aber nicht nur wegen seiner wirklichen Größe herausragend. Vor allem das beträchtliche Alter, die barocke Steinmetzkunst und die auf dem Gedenkstein dokumentierte Geschichte machen dieses Monument zu einem ortshistorischen Kleinod:

                         

 Das Grabmal des Johannes Vogt aus dem Jahre 1668 



Teilansicht des über zwei Meter hohen Grabmals

Der Gedenkstein trägt auf beiden Seiten Inschriften, die weitgehend noch zu entziffern sind und Zeugnis ablegen vom Leben des Verstorbenen.
Danach kam Johannes Vogt 1593 zur Welt. Während seines Lebens spielte er im Dorfleben von Dörnhagen eine einflussreiche Rolle. Bis zu seinem Tod in 1666 war er 30 Jahre lang „Schöpfengrebe“. So nannte man damals das Amt des ehrenamtlichen Dorfvorstehers. Auch über den Ort hinaus übte Johannes Vogt als „Schöpfe“ am Schöpfenstuhl Dörnhagen eine wichtige Funktion aus. Das war eine Einrichtung, bei der es um Rechtsprechung in der niederen Gerichtsbarkeit ging. Immerhin umfasste der damalige Schöpfenstuhl Dörnhagen mit Bergshausen, Dennhausen und Dittershausen auch bereits alle Dörfer, die heute unsere Großgemeinde bilden. Über die Informationen auf seinem Grabmal hinaus gibt es nur spärliche Überlieferungen aus jener Zeit. Erstmals taucht sein Name 1626 in einer Musterungsliste des hessischen Landgrafen Moritz auf, als dieser den Aufbau eines landgräflichen Heeres im 30jährigen Krieg beabsichtigte. Über die militärische Laufbahn des „Hanns Vogtt“ ist aber nichts bekannt. Nach den Angaben einer Volkszählung aus dem Jahr 1639 zählte er dann zu den wohlhabenden Bauern im Dorf und besaß „3 Hube Land, ausgestellt 15 Äcker, 3 Pferde, 2 Kühe, 4 Schweine, 40 Schafe.“ Als einziger Bewohner des Dorfes hatte er keine Schulden.

Das Grabmal liefert auch Hinweise auf das Privatleben von Johannes Vogt. Er war dreimal verheiratet. Mit seiner ersten Frau Catharina hat er acht Jahre im Ehestand gelebt und vier Kinder gezeugt. Mit seiner zweiten Frau Barbara führte er 34 Jahre lang eine kinderlose Ehe. Nach deren Tod heiratete er 1659 seine dritte und wesentlich jüngere Frau Martha Gieseler aus Guxhagen. Aus dieser Ehe gingen dann noch drei Kinder hervor, von denen aber nur Sohn Johannes das Erwachsenenalter erreichte. 

Die dritte Frau Martha ließ für ihren Mann in 1668 zwei Jahre nach dessen Tod das Grabmal errichten. In seiner Ausprägung lässt der Stein auf das damals herausgehobene Ansehen und auf eine tiefe religiöse Verwurzelung der Familie schließen. Die Inschriften geben neben den Lebensdaten des Johannes Vogt Bibelverse aus dem Buch Hiob und dem Philipperbrief wieder. Im Zentrum der Vorderseite des Grabmals ist die Figur des Johannes Vogt mit einem schmückenden Hut in der Hand zu erkennen. Neben ihm hat der Steinmetz seine Frau mit den Kindern aus seiner dritten Ehe abgebildet. Die Familienszene wird von zwei tragenden Säulen und von Ornamenten, wie sie in der barocken Bildhauerkunst häufig auftauchen, umrahmt.

Das beeindruckende Grabmal hatte bis in die Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts seinen festen Platz auf dem Dörnhagener Kirchhof. Dann wurde es abgebaut und zwischenzeitlich im Turmraum der Kirche verwahrt.

Seit geraumer Zeit waren bereits Bemühungen im Gange, den steinernen Zeugen unserer Ortsgeschichte wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Eine Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins Fuldabrück in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Dörnhagen hat jetzt zum Ziel geführt. Im Rahmen des Dörnhagener Brunnenfestes am 15. Mai 2011 wurde der wiedererrichtete Gedenkstein nach dem Festgottesdienst erstmals wieder auf dem Kirchhof öffentlich präsentiert. Im Beisein zahlreicher Besucher, darunter auch Nachfahren des Johannes Vogt, wurde eine vom Heimat- und Geschichtsverein entworfene Informationstafel enthüllt, die neben dem Grabmal zukünftig einen festen Platz auf dem Dörnhagener Kirchhof einnehmen wird.

hier noch einige Bilder