Aktivitäten des Vereins zum diesjährigen Heimatfest
"45 Jahre Fuldabrück"
Der Heimat- und Geschichtsverein Fuldabrück e.V. hat mit einer Ausstellung im Rahmen des diesjährigen Heimatfestes Beeindruckendes präsentiert:

" Vom Flachs zum Leinen  -  Leine- und Bildweber in unseren Fuldabrücker Dörfern "

In akribischer Fleißarbeit haben Mitglieder des HuGV eine Ausstellung Fuldabrücker im Rathaus zusammengestellt, die nicht nur wegen ihrer Vielfalt und Anschaulichkeit überraschte, sondern vor allem auch wegen ihrer chronologischen Genauigkeit und der authentischen und originellen Präsentation die Anerkennung und Begeisterung der zahlreichen Besucher erfahren hat.



Ein Teil des Ausstellungsteams beim Aufhängen der Wandtafeln

Auf 18 Bildtafeln, von Mitglied Gerhard Meil erstellt, konnte sich der Betrachter u. a. über die Geschichte des Flachsanbaus, dessen Verarbeitung zum Faden, die Herstellung des Leinengewebes auf Webstühlen und auch über die soziale Strucktur der einzelnen Familien, die in den damaligen Dörfern einst mit der Leineweberei ihren Lebensunterhalt verdienten, informieren.
Recherchen haben ergeben, dass es z.B. in Dörnhagen von ungefähr 1750 bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts 80 Leineweber gegeben hat. Besonders zahlreich sind sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vertreten.

Das Leben - nicht nur der schlesischen Leineweber, wie Gerhart Hauptmann es lebendig und anschaulich in seinem Drama " Die Weber " beschreibt - war erbärmlich mit sehr geringem Verdienst. Obwohl viele Familienmitglieder (vor allem auch Frauen und Kinder) physisch kaum in der Lage waren, wurden sie zu schwersten körperlichen Arbeiten gezwungen, um die Familien einigermaßen über Wasser zu halten.

Als die industrielle Revolution die alten Webstühle durch mechanische ersetzte und der erheblich  günstigere Baumwollstoff das Leinen in der Produktion ablöste, waren viele Leineweber nicht mehr konkurrenzfähig. In Schlesien führte dies am 4.Juni 1844 zu dem berühmten Weberaufstand, wo über 3000 Weber die Arbeit niederlegten und für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen protestierten. Die Fabrikbesitzer ignorierten die berechtigten Forderungen der Weber und ließen mit Hilfe des preußischen Militärs den Aufstand blutig beenden. Ein Verdienst der Ausstellung ist, auch diese Seite der Leineweber nicht ausgespart zu haben.



Ein Blick auf einen Teilbereich der Ausstellung



 Vertreter der Fuldabrücker " Leineweberzunft " in einer Arbeitspause

Vor allem am Eröffnungsabend dieser Ausstellung haben das Ehepaar Renate und Roland Häusler aus Guxhagen mit ihren kritischen Liedern nicht nur zum Weberleid, sondern auch zu den allgemeinen Zuständen Mitte des 19. Jahrhunderts diese Aspekte aufgegriffen. Ihre Interpretation u. a. von Heinrich Heines Gedicht "Die schlesischen Weber" oder von der durch die Not erzwungenen Auswanderung nach Amerika waren ein Höhepunkt dieser Ausstellungseröffnung und haben viel Beifall und Anerkennung der zahlreichen anwesenden Ausstellungsbesucher eingebracht.



Blumen für das Ehepaar Häusler nach dem beeindruckende musikalischen Vortrag

Dank der Beritschaft vieler Mitbürger, Gegenstände, Kleidungsstücke und Wäsche für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, entstand insgesamt ein sehr lebendiges Bild über die Leine- und Bildweberei.



Auch der Umzugswagen des HuGV mit einem alten Webstuhl aus dem 19. Jahrhundert und der in historischen Kostümen vertretenen Leineweberzunft fand großen Widerhall bei den Zuschauern dieses Festzuges.



Bei aller Ernsthaftigkeit der historischen Zusammenhänge sollte beim Heimatfestzug das Schmunzeln und der Humor aber auch nicht zu kurz kommen, was durch das Transparent auf der Rückseite des Festwagens zum Ausdruck gebracht wurde: Manchmo spinnen mä!. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


Es zeigte sich wieder einmal, welch positive Resonanz bei der Bevölkerung erzeugt werden kann, wenn alte Traditionen, anschaulich und zeitkritisch aufbereitet, präsentiert werden.