Besuch im Grenzmuseum Schifflersgrund

Fast 25 Jahre sind seit der Wiedervereinigung Deutschlands vergangen, Grund genug für den HuGV Fuldabrück, dem Grenzmuseum Schifflersgrund in Asbach-Sickenberg bei Bad Sooden-Allendorf am 26.10.2014 einen Besuch abzustatten. Das als Mahnmal und Gedenkstätte errichtete Museum hält die Erinnerung an den so genannten „Eisernen Vorhang" mit seinen unmenschlichen Grenzanlagen und der menschenverachtender Sicherheitstechnik wach. Es informiert über die historischen Hintergründe, aber auch über Einzelschicksale von Menschen, die hier im Grenzgebiet wohnten und arbeiteten.
Wir erlebten eine informative und kurzweilige Führung durch einen ehemaligen Grenzbeamten, bereichert durch zahlreiche persönliche Aussagen und eigene Erlebnisse. Sie begann im Außengelände, wo noch ein im Originalzustand erhaltener Metallgitterzaun von 1,5 km Länge stehengeblieben ist. Auf dessen westlicher Seite erinnert ein Birkenkreuz an den hier bei seinem Fluchtversuch 1982 erschossenen Heinz-Josef Große. Insbesondere wurden uns hier auch die einengenden Lebensumstände der Menschen in den grenznahen Ortschaften auf DDR-Seite drastisch vor Augen gehalten, ebenso die Zwangs- umsiedlungen - wie die Aktionen »Ungeziefer« bzw. »Kornblume«.
Alle ausgefeilten Grenzsicherungstechniken (Beobachtungstürme, Suchscheinwerfer, Erdbeobachtungsbunker, Minenfelder, Selbstschussanlagen usw.), die von den DDR-Machthabern eingesetzt wurden, sind im Freigelände aufgebaut und können betrachtet werden. In den Ausstellungsräumen wird die Geschichte jener Zeit lebendig. Bilder, Karten, Originaldokumente, Landschaftsmodelle, Uniformen u.a. erinnern an die deutsche Teilung und ihre Auswirkungen auf die Menschen im Grenzgebiet: Vertreibung, Unfreiheit, Angst. Einen besonderen Schwerpunkt in der Ausstellung nimmt das »Wanfrieder Abkommen" ein. Die auf der Krimkonferenz festgelegten Demarkationslinien zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion führte bald zu Reibereien. Die für die Versorgung der amerikanischen Armee wichtige Nord-Süd-Eisenbahnstrecke - im Volksmund »Whisky-Wodka-Linie" genannt - führte nämlich auf 3 km durch sowjetisch besetztes Gebiet. Hier kam es zu Kontrollschikanen und Behinderungen durch die Sowjets. Auf Drängen der Amerikaner wurde in Wanfried ein Gebietsaustausch beschlossen, in dem 5 hessische und 2 thüringische Dörfer ihre Besitzer/Besatzer wechselten. So wurden die Menschen der ehemaligen hessischen Gemeinden Asbach, Sickenberg, Vattenrode, Hennigerode und Weidenbach gegen ihren Willen über Nacht vom traditionellen Hinterland abgeschnitten und Thüringen zugeordnet.
Die Folgen: Menschen verließen ihre Heimat, flohen nach Westen, die Dörfer und Häuser zerfielen.
Da die Ausstellung umfassend und anschaulich an die Geschichte der Teilung Deutschlands bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erinnert, ist sie wirklich auch empfehlenswert für Familien mit Kindern und für alle, die zur Zeit der Wende noch Kleinkind oder Heranwachsende waren. Die informativen Eindrücke hinterlassen eine Menge Nachdenklichkeit, aber auch die Zuversicht, dass es möglich ist, politische Herrschaftssysteme, die das Volk unterdrücken, abzulösen. Zum Abschluss des Nachmittags kehrten wir zum Kaffeetrinken in der »alten Schmiede" in Asbach ein (leckere Kuchen), bevor wir nach angeregten Gesprächen die Heimfahrt antraten.