Der Heimat- und Geschichtsverein auf historischen Pfaden in Spangenberg am 09.09.2018
Eine klare Antwort auf die Frage, ob Schloss oder die Stadt Spangenberg älter sei, gibt es nicht. Klar ist nur, dass beiden ihr Geschick um 1200 durch jene alte Straße, die aus Thüringen kommend nach Frankfurt und an den Rhein führte, längst vorgezeichnet war.
Die bekannte Straße „Die Langen Hessen“  trug, wie andere Straßen des frühen Europas, Waren und Geist der Zeit aus dem Osten in den Westen.
Klar ist nur, dass Stadt, Schloss und das dazu gehörige Amt Spangenberg 1235 in den Besitz der Ritter von Treffurt kamen.
Von der Burg Normannstein, nicht weit von der Werra entfernt, wurden sie von den Grafen von Ziegenhain mit der Herrschaft über Spangenberg belehnt und die Treffurter verliehen Spangenberg 1309 die Stadtrechte. Obwohl als wilde und räuberische Gesellen bekannt, stifteten sie, weil religiös engagiert, 1338 das Elisabethhospital vor den Toren der Stadt.
Über zwanzig Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Fuldabrück haben sich kürzlich unter Leitung des hervorragenden Stadtführers Helmuth Rahm auf diese historischen Pfade Spangenbergs begeben. Schwerpunkt der zweistündigen Stadtführung waren die Bereiche um Burgsitz, Kirche und Marktplatz.
Rahm, ein ausgewiesener Kenner der Stadtgeschichte und des Fachwerkbaus in Spangenberg und darüber hinaus hat den interessierten Teilnehmern in kurzweiligen Berichten einen lebendigen Überblick über die Stadtgeschichte und einige ihrer Häuser und Bauten verschafft.
So hat er u.a. berichtet, dass im Mittelalter in der Stadt Spangenberg drei Adelssitze, sog. Burgsitze, angelegt waren, vermerkt in den Grundbüchern des späten Mittelalters.
Vor allem der dritte Burgsitz am Fuße der heutigen Gesamtschule, die auch den Namen Burgsitzschule trägt, wurde als mächtiger Fachwerkbau („thüringisches Leiterfachwerk“) von Landgraf Philipp dem Großmütigen 1565 für seine zweite Gemahlin Margarethe von der Saale vollendet. Gerade dieser Burgsitz, der heute noch vollständig mit Herrenhaus und Nebengebäuden besteht  und in den letzten Jahren exzellent restauriert worden ist, kennt eine fast lückenlose Geschichte.
Die Stadtführung bewegte sich über den malerischen Brauhausplatz mit schönen Fachwerkhäusern, aus dem das evangelische Pfarrhaus herausragt, zur Stadtkirche St. Johannes der Täufer. Wahrscheinlich ist die heutige Kirche ein gotischer Nachfolgebau, der mit der Gründung von Burg und Stadt (ca.1250) zusammenfällt.
Die stadtbeherrschende Architektur weist einen mehrgeschossigen aufsteigenden Turm, mächtige Dachgruppierungen und eine spätgotische Choranlage aus. Leider konnte der Innenraum der Kirche wegen eines Gottesdienstes kein Teil der Führung sein.
Der dritte Teil der Stadtführung umfasste die Häuser am und um den Marktplatz, Rathaus und den Kuno und Else Brunnen.
Die Häuser am Marktplatz zeichnen sich durch ihre besondere bauliche Geschlossenheit aus: Ständerbauten mit reichen Kreuzverstrebungen, einige Fachwerkhäuser mit reichen Gesimsen und großen Quergiebeln, beachtenswerte Haustüren, zahlreiche Schnitzereien an Hausfassaden, besonders Kreisformen als Sinnbild der Sonne und Schutzzeichen gegen Blitzschlag und Bewahrsymbol des ehelichen Glücks und der Geselligkeit.
Besonders bedeutend ist die sog. „Alte Post“, ehemals Palais des Leinenkaufmanns Lukas Josias Schröder aus dem Jahre 1791. Heute – vorbildlich restauriert – beherbergt das Haus die Stadt- und Touristinformation und altengerechte Wohnungen.
Zahlreiche vorbildlich restaurierte Häuser wären noch zu nennen (das städtische Hochzeitshaus, das heutige Haus Bier in der Rathausstraße mit dem weiteren unberührten Ensemble spätgotischer, barocker und klassizistischer Bauten in fränkischer und thüringischer Prägung.
Seit 1902 befindet sich auf dem Marktplatz der Liebenbachbrunnen mit dem Denkmal der beiden Sagenfiguren Kuno und Else, die, so erzählt die Sage, die Stadt im 14. Jahrhundert vom Wassermangel befreit haben.

Die Stadtführung hat aber auch gezeigt und es ist nicht verschwiegen worden, dass viele Häuser, Gaststätten und Läden mittlerweile leer stehen und gerade am Fachwerk der Zahn der Zeit besonders gern nagt.
Mit einem gemütlichen Kaffeetrinken im Eiscafé  Luzia am Marktplatz endete ein spannender Sonntagnachmittag in der geschichtsträchtigen Stadt Spangenberg.


Hier noch einige Bilder