Auf historischen Spuren in der Söhre am 25.09.2011

Bei herrlichem Spätsommerwetter folgte eine große Schar (35 Teilnehmer) geschichtlich interessierter Bürger der Einladung unseres Vereins zu einem Sonntagsausflug >Auf historischen Spuren in der Söhre< . Die fachkundige Führung als Experte hatte Dr. Klaus Sippel übernommen, der als Bezirksarchäologe beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege tätig ist.
Nach einer kurzen Einführung in das Thema Wüstungen allgemein und speziell in der Söhre setzte sich die große Gruppe in Richtung „Stellberger Triesch“ in Bewegung und erreichte nach etwa 45 Minuten die große Waldwiese auf dem Stellberg. Hier erläuterte Dr. Sippel ausführlich die historischen Gegebenheiten. Aufgrund zahlreicher Scherbenfunde aus den neunziger Jahren - vorwiegend hoch- und spätmittelalterliche Keramik - konnte dort eine Besiedlung nachgewiesen werden. Es gilt als sicher, dass es sich dabei um das in einem Übergabevertrag des Klosters Breitenau (1155) genannte Dorf „Stelenberge“ handelt. Dr. Sippel machte auch deutlich, dass diese Örtlichkeit damals ein guter Platz für die Anlage einer Wohnsiedlung gewesen sein muss: Quellwasser in Reichweite, fruchtbarer vulkanisch geprägter Boden, Waldnähe für die Viehmast und Holzgewinnung. So entstand für die Zuhörer ein anschauliches Bild über die längst verlassene mittelalterliche Siedlung. Anschließend führte uns Dr. Sippel von der Wiese zum Waldrand, um uns dort die Überreste eines Kirchenbaus zu zeigen, der auf einer schwachen Geländeerhöhung noch heute deutlich wahrzunehmen ist. Nach dem aktuellen Forschungsstand, den Dr. Sippel vorstellte, hatte das Kirchlein der damaligen Siedlung im Grundriss die Maße von ca.11m x 6m. Er richtete auch einen deutlichen Appell an alle, den jetzigen Zustand nicht zu verändern und keinesfalls private Grabungsversuche zu unternehmen. Bleibt noch die spannende Frage, wann und warum das Dorf aufgegeben wurde. Nach der Erkenntnis der Experten führte eine jahrelang anhaltende Schlechtwetterperiode mit kalten und regnerischen Sommern dazu, dass das Getreide und andere Feldfrüchte nicht mehr gedeihen konnten und den Bewohnern durch Missernten die Nahrungsgrundlage entzogen wurde. Um nicht zu verhungern, wanderten sie ab und die Siedlung verfiel allmählich und wurde zu einer Wüstung. Dies geschah bereits zu Beginn des 14.Jahrhunderts und war keine Folge des 30jährigen Krieges, wie vielfach angenommen wird.
Nach dem „Abstieg“ vom Stellberg wurde Dr. Sippel mit Dank und Beifall verabschiedet und die Mehrzahl der Teilnehmer traf sich noch zum gemütlichen Abschluss und Ausklang bei Kaffee und Kuchen im Gasthaus Zum Söhrewald in Wattenbach.

hier noch einige Bilder