Exkursion zur Wüstung Hessenhagen mit Ruine Stückkirchen am 05.05.2012

Auch Dauerregen konnte die ca 50 interessierten Mitglieder und Freunde der Heimat- und Geschichtsvereine Fuldabrück und Söhrewald nicht davon abhalten, gemeinsam mit dem Bezirksarchäologen  Dr. Sippel am 05.05.12 eine Exkursion zur mittelalterlichen Wüstung Hessenhagen mit der Ruine Stückkirchen durchzuführen.
 Ungefähr 2,5 km vom Parkplatz Franzosentriesch entfernt, im Wald zwischen Wellerode und St. Ottilien, befindet sich als geschütztes Bodendenkmal die Ruine Stückkirchen. Hier gab es im Mittelalter ein Dorf, das im 14. Jhdt. Verlassen und Wüstung wurde. Die Kirche hieß Hessenhainer/Hessenhager Kirche, seit dem 19. Jhdt. Stückkirchen.
Bis 1,5 m hohe Mauerreste der Kircheninnenseite sind sichtbar. Die ehemalige Siedlung lag rings um die Kirche. Von den Wohngebäuden aus Holz gibt es keine Spuren, jedoch gibt es zahlreiche Keramikscherbenfunde aus dem 13./14. Jhdt.. Im Umkreis von ca. 200 m von der Kirche gibt es zwei Quellen, Glockenborn und Ideborn, die der wichtigen Wasserversorgung dienten. Nährstoffreiche Basaltverwitterungsböden ermöglichten Ackerbau und erklären den Siedlungsbau trotz großer Höhenlage.
Herr Dr. Sippel verstand es wieder, uns in die Arbeits- und Lebensumstände der Menschen des 14. Jahrhunderts zu versetzen. Als Ursache der Wüstwerdung nannte er die klimatisch bedingte  Landwirtschaftskrise, die 1309 mit mehrjährigen Hungersnöten nach Ernteausfällen begann und ab 1349 durch die Pest verschärft wurde. Innerhalb weniger Jahrzehnte führte diese Kriese zur Aufgabe von Wirtschaftsflächen und Siedlungsplätzen, zahlreiche Ortswüstungen entstanden, auch in der Söhre. Auf dem Rückweg vom Glockenborn fand Herr Blumenstein Spuren eines Backofens, der bisher vergeblich gesucht worden war. Ein zufälliger Fund, der aber ein wichtiges Indiz für die Besiedlung darstellt.
Die wesentlichsten Aussagen zur Wüstung Hessenhagen und der Ruine Stückkirchen sind auf einer Informationstafel nachlesbar. Zum Abschluss der Exkursion dankten die Vorsitzenden der beiden Geschichtsvereine, Herr Werner und Herr Mell, Herrn Dr. Sippel für seine interessante und informative Führung und überreichten ein kleines Dankeschön.
Fazit: Trotz Wetterkapriolen ein bereicherndes Erlebnis für alle Beteiligten.

hier noch einige Bilder