Nachruf für Landrat a.D. Dr. Arnold

(Fuldabrücker Nachrichten, v. 25.01.1984, vom H.u.G.V. Dennhausen/Dittershausen)
 
Die Trauerhalle des Hofgeismarer Hauptfriedhofes konnte die Menschen nicht fassen, die Dr. Gerhard Arnold am 18. Januar auf seinem letzten Weg begleiten wollten.
Mit den Abordnungen der Freiwilligen Feuerwehren, des Deutschen Roten Kreuzes und der Sportverbände hörten Hunderte vor der Kapelle der Trauerfeier zu, die Dekan Jochen Desel unter das Bibelwort „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ gestellt hatte. Dienst an der Bürgerschaft der Landkreise Hofgeismar und Kassel habe seit seinem Amtsantritt im Jahre 1966 das Leben Dr. Arnolds bestimmt.
In der Erfüllung seiner umfangreichen Amtspflichten und bei dem breiten sozialen Engagement habe sich der so früh Verstorbene nicht geschont. Landrat a.D. Dr. Arnold befand sich wegen einer schweren Erkrankung schon seit Monaten in klinischer Behandlung. Die Zeichen schienen auf Besserung zu stehen, doch am 14. Januar verließen ihn die Kräfte.
Dr. Gerhard Arnold – gerade 56 Jahre alt geworden – entstammt einer Lehrerfamilie aus Waldgirmes bei Wetzlar. Als junger Gymnasiast 1943 als Luftwaffenhelfer verpflichtet, geriet er nach anschließendem RAD- und Kriegsdienst in Frankreich in Gefangenschaft. Von 1948 bis 1952 studierte Dr. Arnold Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Würzburg und Marburg. Seine Verwaltungslaufbahn begann er im Regierungspräsidium Kassel, wo er von 1956 bis 1966 als Dezernent in der Schulabteilung maßgeblich an der Landschulreform beteiligt war.
1966 wählte ihn der Kreistag des damaligen Landkreises Hofgeismar zum Landrat.
In „seinem“ Kreis widmete sich Landrat Dr. Arnold mit großem Eifer dem Sportstätten- und Schulbau, dem Ausbau des Kreisstraßennetzes und der Förderung des Fremdenverkehrs.
Auch die Planungen für den Tierpark Sababurg fallen in seine Hofgeismarer Amtszeit. Mit großer Umsicht brachte Dr. Arnold den Kreis Hofgeismar 1972 in den neuen Großkreis Kassel ein.
Als 1. Kreisbeigeordneter – ab 1975 als Landrat – konnte Dr. Arnold die als Schuldezernent und Verwaltungschef in Hofgeismar gewonnen Erfahrungen mit großem Vorteil für den Landkreis Kassel nutzen. In Dr. Arnolds Amtszeit fiel der Neu- und Erweiterungsbau von 14 Gesamtschulen, des Oberstufengymnasiums und der Kreisberufsschule in Oberzwehren sowie zahlreiche Turn- und Großsporthallen, fernerhin die Erweiterung des Kreiskrankenhauses Hofgeismar und die Weiterentwicklung des Tierparks Sababurg.
In seinem Nachruf, den er für die Kreiskörperschaften und die Städte und Gemeinden des Landkreises Kassel sowie für über zwanzig Behörden, die politischen Parteien und zahlreiche Organisationen sprach, hob Landrat Willi Eiermann das ausgeprägte Pflichtbewußtsein, die hohe fachliche Qualität und die Geradlinigkeit seines Amtsvorgängers hervor. Dr. Arnold habe bei seinem Ausscheiden im Jahre 1981 einen Landkreis übergeben, der auf den meisten Gebieten zur Spitzengruppe der hessischen Kreise gezählt habe. Willi Eiermann erinnerte die Trauerversammlung, unter der sich auch Staatsminister Dr. Herbert Günther, Regierungspräsident a.D. Alfred Schneider und der amtierende Regierungspräsident Heinz Fröbel sowie die Alt-Landräte Dr. Steinbrenner und Josef Köcher befanden, an die „unsichtbare, aber doch wirksame“ Arbeit des Verstorbenen im sozialen und kulturellen Bereich, in den Kreissparkassen und genossenschaftlichen Wohnungsbauunternehmen.
Dr. Arnold habe nicht nur seine Pflicht, sondern immer etwas mehr getan, dabei stets die Nähe zum
Bürger gesucht. „Er verstand die Menschen – und die Menschen verstanden ihn“, umriß Willi Eiermann die umkomplizierte Arbeitsweise des Verstorbenen, der sich bei den meisten Entscheidungen an den Lebensverhältnissen der arbeitenden Menschen orientiert hatte.
Unter den gesenkten Fahnen der Feuerwehren und durch das stumme Spalier vieler betroffener und dankbarer Menschen trat Dr. Gerhard Arnold – nur von seiner Familie begleitet – den Weg zur letzten Ruhe an. Er hat sich – dies nicht nur als Sachwalter des Staates und der ihm anvertrauten Gemeinden – um die Menschen in Norden Hessens verdient gemacht.